// 31.10.2020 // Lake Manyara – Tribes Lake Enyasi – Ngorongoro Krater
Mo. 26.10.2020
Mit einem leichten Kater wachte ich erst kurz nach 9.00 Uhr auf. Eine Unzeit! Fühlt sich hier an wie am späten Nachmittag. Eine ganze Flasche Wein ist doch ne ganze Menge, wenn man seit zwei Wochen kaum, bzw keinen Alkohol getrunken hat. Nach ein paar Tassen Kaffee war ich wieder soweit fit, um meine Wäsche abzuholen und die Bergsachen auszusortieren. Musste ja alles wieder gepackt und sinnvoll verstaut werden. In einem Auto ist nicht so viel Platz, da muss man etwas überlegen, wo was hinkommt, sonst liegt das, was man gerade braucht, immer ganz unten.
Gestern Nachmittag erhielt ich noch eine Email von Antje und Volker, die meinen Kontakt von einer gemeinsamen Bekannten, Stella (bei Ihr und Fred stand Heinrich in Lilongwe), aus Malawi hatten. Die Expat-Familie mit vier Kindern hat schon in verschiedenen afrikanischen Ländern gelebt und baut sich gerade Ihr Heim in Moshi aus. Hier war ich am Abend zum Essen eingeladen, worüber ich mich sehr freute. Das gibt es nur in Afrika! Bei einem vorzüglichen Essen (Vielen Dank nochmal, Antje!) tauschten wir uns aus und ich erfuhr viel über die Vorzüge und auch Probleme, die ein Leben als Expat in Tansania mit sich bringt. Fast erstaunt war ich darüber, dass alle Kinder, in unterschiedlichem Alter, sehr gerne zur Schule gehen. Die aufgeweckten Kids, bzw Jugendlichen, erzählten auch begeistert von Aktivitäten wie Bergsteigen, Tauchen usw, die von der Schule angeboten werden. Das ist schon was anderes als unsere Wandertage in Deutschland. Ein wunderbarer Abend mit einer tollen Familie!
Di. 27.10.2020
Meine Sachen waren ja schon verstaut, und so konnte ich mich nach dem Frühstück gemütlich auf den Weg, Richtung Lake Manyana machen. Ist schön, nach zwei Wochen wieder mit Heinrich durchs Land zu cruisen. Diesmal wurde ich auf der fünfstündigen Fahrt auch kein einziges Mal angehalten. In Arusha stoppte ich nur kurz um Vorräte und Frischwasser aufzustocken. Die sauber wirkende Stadt wollte ich schnell wieder verlassen, weil schon überall Uniformen zu sehen waren. Morgen wird in Tansania gewählt, und falls es Unruhen gibt, ist es auf dem Land immer sicherer als in einer großen Stadt. Mein Ziel für heute ist das Migombani Camp, am Rand des ostafrikanischen Grabenbruchs. Die Campsite ist super gepflegt, mit sehr sauberen Sanitäranlagen, einer Bar/Restaurant unter einem großen Baobab und besitzt einen Pool ( mit Aussicht auf den See), wie man ihn selten in guten Hotels findet. Auch von meinem Stellplatz aus, auf weichem, grünen Rasen, habe ich das tolle Panorama vor Augen. Migombani ist perfekt gelegen um gleich drei Nationalparks zu besuchen. Lake Manyara NP, Tarangire NP und NgoroNgoro Crater NP. Erstere sind vor allem für ihren großen Bestand an Elefanten bekannt. Elefanten habe ich aber schon genug auf dieser Reise gesehen. Den Ngorongoro Krater hatte ich zwar vor Jahren schon einmal besucht, aber das hätte ich mir gerne nochmal angesehen. Dass es mit eigenem Auto nicht zu bezahlen ist war mir klar, also erkundigte ich mich nach einer Tagestour im Safarijeep. 664 US-Dollar! Ihr habt doch den Knall nicht gehört! Kommt also nicht in Frage, diese Beutelschneiderei mache ich nicht mit. Deutschland pumpt hier über die GIZ und den Frankfurter Zoo jede Menge Geld in das Land und trägt seit vielen Jahren stark zur Erhaltung und dem Aufbau der Nationalparks bei. Diese Gelder sollten mit der Auflage verbunden werden, deutsche Touristen für bezahlbare Gebühren die Parks besuchen zu lassen. 250 Dollar ist auch noch viel, wäre aber noch leistbar. Ich überlege jetzt hin- und her, ob ich bald nach Kenia fahren soll, oder Kenia auslasse und gleich nach Uganda. Uganda kenne ich die Covid-Regeln zur Einreise nicht, Kenia soll ähnlich teuer wie Tansania sein…
Mi. 28.10.2020
Ausgerechnet heute ist mein Internet-Guthaben auf dem Handy verfallen und ich kann nicht recherchieren. Trotzdem bleibe ich noch an diesem prima Ort. Heinrich muss mal wieder gepflegt werden und es gibt jede Menge zu tun. Trabold-Filter wechseln, Öl nachfüllen, Kühlwasser kontrollieren und auffüllen, Waschwasser auffüllen, Luftfilter ausblasen, waschen und trocknen, Heckklappe ölen und das Moskitonetz flicken. In spätestens 1,5 Jahren muss das Moskitonetz ausgetauscht werden. Durch das ständige Öffnen und Schließen des Dachs, wird das Netz immer wieder geknickt, wodurch Risse und Löcher entstehen. Habe schon über 20 Flicken gesetzt. 😊
Ansonsten genieße ich den Tag mit einem guten Buch am Pool und werde mir später was richtig Leckeres kochen. Das macht auch mal Freude!
Do. 29.10.2020
Ich war schon früh auf und war bereits um acht Uhr unterwegs zu den Tribes am Lake Eyasi. Es war nicht besonders weit. Vom Camp aus windet sich die Straße den Hang des Ostafrikanischen Grabenbruchs hinauf Richtung Serengeti, aber schon nach 25 Kilometern biegt man links auf eine ziemlich schlechte Gravelroad ab, der man weitere 50 Kilometer folgt, bis man zum Büro der Stämme kommt. Eine kleine Hütte mir ein paar Bildern und einem Tresen. Erst wollte man mir 110 US abnehmen, aber wir einigten uns schließlich auf 160.000 TSh, also ca 60 Euro für den Besuch der Stämme inklusive Guide. Den Guide braucht man, weil es quer durch den Busch geht und man die Dörfer ohne seine Führung nicht findet. Zuerst besuchten wir die Hadzabe Buschleute. Sie sind von größerer Statur als die San, die ich in Namibia besuchte und technisch weiter fortgeschritten. Ihre Hütten sind dauerhafter gebaut, die Bögen größer und auch die Pfeile sind lang und bereits gefiedert um weiter und zielgenauer schießen zu können. Der relativ kurze Besuch erschöpfte sich in einer Demonstration vom Feuermachen mit Stöcken (was nicht funktionierte 😊 – mit etwas Sand für die größere Reibung hätte das besser geklappt) und etwas Bogenschießen. War ein bisschen wie Afro-Disneyland. Nach der Show haben sich die Jungs wahrscheinlich wieder die Jeans angezogen und das Radio angemacht. Hernach besuchten wir eine kleine Masaiboma mit Kunstschmiede. Das war tatsächlich sehr interessant. Nach einem Blick in ein Haus, wo gerade Mehl auf Mahlsteinen zerrieben und Ugali (Maisbrei) gekocht wurde, konnte ich den Männern zusehen, wie sie einen Messingwasserhahn einschmolzen und daraus den Rohling für einen Armreif gossen. Das ging trotz der archaischen Technik, zwei Blasebälgern aus Kuhhaut und einem ausgehöhlten Stein als Düse, um die Kohle zu erhitzen und das Werkstück zu schmelzen, recht schnell. Die Aschereste wurden mit einem Stöckchen von dem flüssigen Metall gestippt und sodann die Schmelze in eine Blechform gegossen und in Wasser abgekühlt. Die Jungs waren nicht nur in ihrem Handwerk sehr geschickt sondern auch sehr gute Händler. Ich bezahlte vermutlich viel zu viel für vier Armringe aus ihrer Herstellung. Ich bin dennoch zufrieden, weil dieses Geld komplett der kleinen Community zu Gute kommt. Nachdem ich den Guide wieder abgesetzt hatte fuhr ich zum See und suchte mein anvisiertes Camp. Ich fand es auch, allerdings geschlossen. Sehr schade, denn es war direkt am See in einem wilden Palmenwald gelegen. Weil sich in der Nähe keine gute Alternative fand, fuhr ich wieder zurück zu meinem Ausgangspunkt am Lake Manyara. Kaum dass ich wieder stand und mein Bier geöffnet hatte, setzte sich jemand zu mir, der Heinrich besichtigen wollte. Während unserem Gespräch stellte sich heraus, dass Greg ein Touroperater ist. Ich klagte ihm meine Enttäuschung über die abartigen Preise und er offerierte mir, dass ich mich einer Gruppe anschließen und den Ngorongorokrater auf einer Tagestour für 200 US besuchen könne. Das Angebot nahm ich erfreut an und wir unterhielten uns noch den ganzen Abend über Gott und die Welt.
Fr. 30.10.2020
Pünktlich um 7.30 Uhr begrüßte mich der gut gelaunte Fahrer, Joseph, schon vom Auto aus mit Namen. Ich hatte Glück, weil ich der Erste Kunde war und konnte deshalb den Beifahrersitz belegen. Unterwegs sammelten wir noch fünf weitere Gäste ein. Joseph kurvte laut singend bis auf 2.400 Meter Höhe zum Rand des riesigen Kraters und wieder 700 Meter steil nach unten. Der Ngorongoro Krater wird auch als achtes Weltwunder bezeichnet. Mit einem Durchmesser von ca 20 Kilometern und einer Fläche von 264 Quadratkilometern ist das die größte, nicht mit Wasser gefüllte Caldera der Welt. Im Inneren des Kraters gibt es salzige Seen, Frischwasserseen und Bäche, Supfgebiete, Savanne, Hügellandschaft und auch etwas Akazienwald, wodurch er auf engstem Raum eine unvergleichliche Vielfalt an Tieren beherbergt. Es gibt hier fast alle gängigen Tiere. Nur für die langbeinigen Giraffen ist der Abstieg zu steil und auch Krokodile haben keinen Weg gefunden in das Tal gefunden. Auf der Rundtour durch dieses abgeschlossene Ökosystem sahen wir die verschiedensten Arten. Einige davon allerdings nur aus großer Entfernung und selbst mit dem Zoom Teleobjektiv der Kamera nur umrißartig zu erkennen. Ich verzichte deshalb auf einige Bilder von Nashörnern, Löwen und Elefanten. Unser Chauffeur und Guide fand diese Tiere jedoch sogar ohne Fernglas. Erstaunlich, wie jemand so gut sehen und auf große Distanz verschiedene Tiere unterscheiden kann. Ansonsten sagen an dieser Stelle Bilder mehr aus als jeder Text. War ein klasse Ausflug. Vielleicht kann ich mir auf diese Weise auch noch eine Tour in die Serengeti leisten. Mal sehen…
Sa. 31.10.2020
Dieser Tag stand wieder ganz im Zeichen von Entspannen, dem Aussuchen von Bildern und Planungen für die nächste Zeit. Kenia, Uganda? Viel Rennerei wegen den Covid-Tests. Alternativ könnte ich Heinrich in Moshi sicher parken und heim fliegen. Auf Deutschland im Lockdown-Wahnsinn habe ich jedoch überhaupt keine Lust. Also werde ich mich hier noch etwas vergnügen, den Natronsee und eventuell die Serengeti besuchen. Bis dahin werde ich mich wohl entschieden haben.
Hey Wredo, viele Grüße!
Vor zwei Jahren waren wir auch im Krater, vielen Dank für Deine tollen Schilderungen. Super, dass Di Dir die Zeit genommen hast, auch mal ein Masaidorf zu besuchen!