// 06.11.2020 // Natron See – Serengeti
So. 01.11.2020
Schon die Strecke zum Natronsee ist einzigartig. Immer entlang dem Grabenbruch, durch Massailand Richtung Kenia. Die Dirt/Gravelroad ist extrem schlecht und ich komme nur langsam vorwärts. Höchstens 30kmh im Schnitt. Das macht aber nichts, weil ich mich an den Massai im Sonntagsgewand mit ihrem bunten Perlenschmuck und den vielen Armreifen nicht satt sehen kann. So habe ich mir immer das richtige Afrika vorgestellt. Die Hirten in ihren meist rotkarierten Wickeltüchern und mit Stöcken in der Hand, treiben ihre Ziegen- und Rinderherden durch die karge Landschaft. Im Hintergrund erhebt sich der Wall des Grabenbruchs und nach und nach reihen sich hohe, kegelförmige Berge, wahrscheinlich Vulkane, mit verrückten Wolkenhüten ein. Endlich komme ich an ein Gate und der freundliche Wächter nimmt mir 45 Dollar für lokale Gebühren ab, mit dem Hinweis, dass da noch Governmentgebühren hinzukommen, die ich im Camp bezahlen müsse. Das geht ja gerade noch. Im Natron Lake Safari Camp bin ich der einzige Gast und darf für 10 US über Nacht bleiben. Der Manager vermittelte mir einen Guide für weitere 20 US, der mir die Wasserfälle, die versteinerten Fußabdrücke und die Flamingos zeigen sollte. Wir fuhren also in die Nähe vom Wasserfall und kletterten über halsbrecherische Pfade entlang dem Bach über die Felsen oder wateten durchs Wasser bis wir zu einer Art Kraftort, mit dem zauberhaften Wasserfall kamen, der in Kaskaden über eine Grotte in einen kleinen See stürzte. Herrlich! Man sollte für diesen Steig, der mit FlipFlops, Trekkingsandalen (wenn die nicht so furchtbar häßlich wären), oder wasserfesten Schuhen zu bewältigen ist, allerdings sehr trittsicher sein. Im Dorf bezahlte ich die Gebühr für den Guide, während mich Massaimädels von allen Seiten bedrängten, Schmuck zu kaufen. Sie taten mir leid, weil wegen Corona kaum mehr Touristen kommen, und sie kein Geld verdienen können. Trotzdem kann ich mit den Sachen nichts anfangen, weshalb ich sie höflich abwimmelte. Auf dem Weg zum See fand mich dann doch noch der Government-Ranger und knöpfte mir weitere 42 US ab. Es summiert sich mal wieder… Wir erreichten die versteinerten Fußabdrücke. Kein großes Ding, dennoch ein seltsames Gefühl zu wissen, dass hier vor zigtausend Jahren, Menschen durch die im See erkaltende Lava flohen, und diese Spuren hinterließen.
Quer durch den Bush holperten wir nun dem See entgegen. Das Gelände wurde immer sandiger, bzw staubiger, bis ich schließlich in die Untersetzung schaltete und mit ordentlich Gas über den „trockenen“ Teil des Natronsees kurvte, damit der schwere Heinrich nicht einsinkt sich festfährt. Der Untergrund wurde schließlich zu heikel und ich suchte ein trockenes Plätzchen um Heinrich zu parken. Den Rest mussten wir zu Fuß über den zwar verkrusteten, aber darunter schmierig, schlammigen Seegrund zurücklegen. In kleinen Bächen, die von Frischwasserquellen gespeist wurden tobte das Leben. Tausende kleiner, schwarzer Fische zappelten und spritzten in den flachen Rinnsalen und es roch nach den überall am Boden herumliegenden toten Fischchen. Wir mühten uns in kleinen Schritten über den seifigen Boden soweit es möglich war und konnten nun die verschiedenen Flamingoarten, Pelikane und andere Vögel beobachten. Leider kamen wir nicht besonders nahe heran, weil sich die Vögel weiter ins Wasser zurückzogen, sobald wir näher kamen. Trotzdem ein wunderbares Schauspiel. Der Guide, leider konnte ich seinen Namen nicht behalten, war jedenfalls sein Geld wert. Ich hatte nicht mit so einer ausgedehnten Tour gerechnet und war vollends zufrieden mit diesem spannenden Tag.
Mo. 02.11.20
Nichts zu erzählen. Einfach ein Tag Pause.
Di. 03.11.20
Die Gruppe, der ich mich anschließen sollte, hat ihre Pläne geändert. Greg schickte mich deshalb alleine mit dem Guide/Fahrer und einer Praktikantin los. Damit verdient er wohl nicht mehr viel, für mich ist es aber super, weil ich das ganze Auto für mich habe und immer den perfekten Platz um Fotos zu schießen. Die lange Fahrt in die Serengeti führt durch den Ngorongoro NP und biegt dann am Kraterrand nach Nordwesten ab. Vorbei an den dornenbuschbewehrten Kralen der Massaidörfer, durch die typischen Flachdachakazienwälder wand sich die Straße durch die Berge, bis wir schließlich die Ebene erreichten. Vor uns breitete sich die „große Ebene“ ( Serengeti) wie ein Meer aus Gras aus. Am Ende des Sichtfeldes zeichneten sich Berge wie Schiffe am Horizont ab. Als ich vor sieben Jahren das erste mal hier war, sahen wir bereits tausende grasende Gnus, Zebras und Impalas bevor wir überhaupt das Gate erreichten. Diesmal war die Ebene wie ausgestorben. Nichts zu sehen außer beigem Gras. In der Ferne sahen wir mal einen Löwen. Ich dachte schon, der teure Eintritt war wohl für die Füße, aber dann fanden wir doch noch einen Leoparden in seinem Baum. Das war erst der dritte Leopard während meiner ganzen Zeit in Afrika. Durch dieses Erlebnis war der Tag gerettet. Wir fuhren zur Public Campsite, wo rege Betriebsamkeit herrschte. Die Köche schwangen in ihrer Halle bereits die Pfannen und Töpfe, damit die Touristen bei ihrer Ankunft bereits Tee und Kaffee und etwas später ihre Mahlzeit serviert bekommen. In der Nacht streifte eine einsame Hyäne durchs Lager und ein Marabu stelzte zwischen den Zelten herum.
Mi. 04.11.20
Wir brachen als letzte auf und fuhren in die wenig besuchte Grasebene mit nur sehr wenigen, vereinzelten Akazien, weil ich vor allem Raubkatzen sehen wollte. Elefanten, Büffel und Co konnte ich schon in anderen Parks ausgiebig beobachten. Und Katzen bekam ich zu sehen. Es dürften über 50 gewesen sein! Löwen, so viele, dass es schon fast langweilig wurde. Mit frischem Kill, mit Jungen, Einzelgänger, Pärchen, ganze Rudel, schlafend oder aufmerksam oder auf der Jagd – da war alles dabei. Highlight war eine Gepardenmama mit ihren vier Jungen. Was für ein graziöses, elegantes Tier! Und die kleinen Kerlchen verspielt und munter, obwohl noch kurz zuvor ihre Mutter mit einer Löwin um ihr Leben gekämpft hatte. Sie trug eine leichte Verletzung am Hinterlauf davon, konnte aber alle Babys retten. Auch eine Warzenschweinfamilie entkam glücklich einer Löwenattacke. Ein aufregender, anstrengender Tag ging zu Ende, als wir uns in die Zelte verkrochen. Der Platz war nur spärlich besetzt, aber in unserer Nähe standen zwei Zelte mit jeweils einem jungen deutschen Touristen darin. Die beiden mussten sich lauthals von Zelt zu Zelt ihre amourösen Abenteuer in Daressalam in allen Einzelheiten schildern, bis ich ihnen unüberhörbar verkündete, dass das niemand hören will. Dann kehrte blitzartig Ruhe im Camp ein, wofür sich tags darauf noch einige andere Gäste bei mir bedankten.
Do. 05.11.20
Zum Sonnenaufgang waren bereits im Bush und sahen verschiedenen Gazellen und Antilopen dabei zu, wie sie sich über die ersten wärmenden Sonnenstrahlen freuten. Sie hatten die Nacht überlebt und sprangen fidel umher. Wir unternahmen noch einen Ausflug in die Mitte der Serengeti. Wir fanden noch mehr Löwen, aber auch Giraffen, Hippos, Sekretäre, Malibus, Büffel und Elefanten. Eine kleine Herde kam zum Trinken an den Fluß, in dem eine große Gruppe von Flußpferden wie runde Felsen lagerte. Die Tiere störten sich nicht aneinander und die Elefantenfamilie badete ausgiebig und bewarf sich mit Schlamm, bis die Leitkuh das Zeichen zum Aufbruch gab. Der Weg aus dem Fluß war durch unseren Landcruiser wohl etwas zu eng, denn die Dickhäuter gaben ein tiefes, durchdringendes und unzufriedenes Grollen von sich. Wir fuhren ein paar Meter nach vorne. Die Herde kam mit Drohgebärden, wildem Trompeten und Ohrenaufstellen aus dem Fluß. Sie waren erregt. Die Kälber immer in der Mitte und abgeschirmt durch die großen Bullen, die vor uns in Stellung gingen und eine Phalanx aus Stoßzähnen und Rüsseln bildeten. Die gewaltigen Tiere gebärdeten sich wild und grollten, dass die Luft vibrierte. So ganz wohl war mir nicht dabei, doch langsam beruhigten sie sich und zogen gemächlich aber aufmerksam davon. Im Anhang findet Ihr das Video dazu. Unbedingt mit Ton ansehen! Zum Abschied bescherte uns die Serengeti noch ein großes Löwenrudel und wir machten uns auf den langen Rückweg über die Wellblechpiste. Diese Tour hat sich trotz des Preises gelohnt und ich bin dankbar, dass ich das alles erleben durfte. Es hat sich auch gar nicht wie eine organisierte Tour angefühlt, sondern dank Deo und Helga war es eher ein Ausflug mit Freunden. Wieder im Migumbani Camp bei Heinrich, konnte ich dank Wlan auch wieder meine Nachrichten abrufen. Social Media und Internet sind wegen der Wahlen nämlich immer noch gesperrt. Mit meiner deutschen SIM-Karte kann ich das Wlan jedoch nutzen.
Fr. 06.11.20
Nach drei Tagen im Bush muss natürlich wieder gewaschen werden und eine kleine Pause ist auch nicht verkehrt. Man kann sonst die ganzen Eindrücke gar nicht verarbeiten. Ich habe mich nun auch entschieden, doch nach Kenia zu fahren. Deshalb werde ich morgen dieses wunderbare Camp verlassen und mich wieder nach Moshi begeben um einen Corona-Test zu machen. Mal sehen, wie da hier funktioniert.
Wieder interessant wie immer – weiter viele gute Tage !