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// Mi. 18.11.2020 Tansania – Kenia – Tansania //

Sa. 07.11.20

Die Rückfahrt nach Moshi verlief ereignislos. Kurzer Zwischenstopp in Arusha, um in einem der seltenen, großen Supermärkte die Vorräte aufzufüllen. Hier stieg auch Helga zu, die mich die nächsten Tage begleitete. Das war nicht nur eine Abwechslung für sie, sondern hat mir auch sehr bei der Beschaffung des Covid-Tests geholfen. Ist schon prima, wenn jemand dabei ist, der sich auskennt und Suaheli spricht. Im Mawenzi Krankenhaus machte ich den Test und bezahlte 16.000 Shilling an das Krankenhaus, der Test kostet nochmal 50 US Dollar. Das kann man aber nicht bar bezahlen, sondern man muss warten, bis man per WhatsApp eine Vorgangsnummer erhält, und dann den Betrag bei einer Bank einzahlen. Nach Bezahlung wird der Test bearbeitet und man bekommt die Bescheinigung ebenfalls per WA, die dann noch ausgedruckt werden muss. Also ein ganz netter Aufstand. Nach dem Krankenhaus fuhren wir noch ca eine Stunde zu den Hot Springs, um dort auf die Vorgangsnummer zu warten. Wir kamen kurz vor Anbruch der Dunkelheit an, mussten aber warten, bis alle Gäste das Areal verlassen hatten, bevor wir unser Lager und Helgas Zelt aufbauen durften. Das nervte ein bisschen, weil ich für fast 20 Euro schon erwarte, nicht nur für die Nacht stehen zu dürfen und das Camp nicht im Dunkeln aufbauen zu müssen. Wenigstens bekamen wir Feuerholz um noch etwas Bush-TV zu schauen. Ich wurde von den fliegenden Plagegeistern völlig verstochen und wir tranken uns den Abend mit ein paar Bieren schön.

So. 08.11.2020

Die Sonne ging auf und als ich aus meinem Heinrich kletterte sah ich endlich, wie schön es hier ist. Umrahmt von großen Bäumen mit knorrigen Wurzeln und einigen Palmen reflektierte das türkisblaue, glasklare Wasser das frühe Licht und spiegelte das Blätterdach. Ich kam mir vor wie Tarzan, als ich ins Wasser sprang und mich ausgiebig erfrischte. Das Wasser ist zu tief zum Stehen, weshalb Helga, die leider nicht schwimmen kann, nur etwas in Ufernähe herumplanschte. Wenn man einen Augenblick still steht, oder die Füße ins Wasser hängt, kommen augenblicklich kleine Fischchen, die die alten Hautschuppen abknabbern. Gegen Mittag kamen immer mehr Gäste und wir verließen die Quelle. Da in Moshi wegen fehlender Touristen beide Campsites geschlossen sind fuhren wir wieder etwas ausserhalb und fanden mitten in der Walachei ein Camp, das überwiegend von Einheimischen besucht wird. Die Miwaleni Spring Farm verfügt über eine kleine Bar, Restaurant und gepflegten Rasen zum Campieren. Die Betreiber sind unwahrscheinlich nett und erfüllten uns jeden Wunsch. Wir bekamen sogar noch ein Feuer und einer der Wachleute brachte Spiele mit und gesellte sich zu uns. Wir verbrachten einen kurzweiligen Abend mit interessanten Gesprächen und ruckzuck war es nach Mitternacht, was für Afrika sehr spät ist.

Mo. 09.11.2020

Gerade auf dem Weg in die Stadt erhielten wir endlich die Vorgangsnummer und wir suchten sofort eine Bank. Mit Anstehen und Ausfüllen endloser Formulare brauchten wir eine gute Stunde für die Bezahlung der Gebühr. Mittlerweile hatte sich Greg, Helgas Chef, gemeldet, und wir trafen uns in einem Cafe. Er überzeugte mich die nächsten Tage im Mountain Bikes House, dem Hostel eines Freundes zu verbringen. Eine gute Entscheidung, wie sich herausstellte, denn am Abend regnete es Hunde und Katzen. Die Regenzeit hat begonnen. Greg und ich verstehen uns super und so redeten wir bis spät in die Nacht und entwickelten eine neue Geschäftsidee für ihn.

Di. 10.11.2020

Greg blieb noch einen Tag in Moshi. Wir besuchten den weithin bekannten Second Hand Market und ließen uns zwischen den bunten Ständen treiben. Anschließend wurde es Zeit für ein kaltes Bier und lokales Essen. Dabei blieb es nicht. Nach und nach gesellten sich immer mehr Bekannte von Greg und andere Gäste des Hostels zu uns. Als wir endlich wieder im Hostel eintrafen war ich ganz schön angeschiggert. Darf mal sein. Während des Abends traf auch endlich das Testergebnis ein. Negativ, also alles positiv.

Mi. 11.11.2020

Nach dem Frühstück fuhr ich mit Helga in die Stadt und suchte eine Stationary um das pdf vom Test ausdrucken zu lassen. Ich entschloss mich, keine Hektik zu machen und lieber morgen ganz früh zur Grenze zu fahren. Nachmittags verabschiedete sich Helga und fuhr mit Gregs Freunden zurück nach Arusha.

Do. 12.11.2020

Den unentbehrlichen Kaffee kochte ich mir im Auto, das muffig-feucht-erdig nach Gemüse roch, das bald verarbeitet werden will. Irgendwie hatte ich überhaupt keine Lust diesen heimeligen Ort zu verlassen, aber heute musste es sein, sonst würde der Covid-Test seine Gültigkeit verlieren. Der Grenzübertritt war mal wieder eine Tortur. Es wurde wieder Maske getragen und nach dem üblichen Temperatur messen, Hände waschen und dem Metalldetektor eröffnete mir der Grenzbeamte, dass er keine Visum-Aufkleber habe und ich deshalb nicht einreisen könne, oder Stunden, eventuell Tage auf seinen Vorgesetzten warten müsse. Also wieder raus aus dem Gebäude und Planänderung. Kaum saß ich wieder im Auto, kam jemand vorbei und meinte, ich könne jetzt doch einreisen, der Mann mit den Visa-Aufklebern würde kommen. Warten auf den Mann vom Gesundheitsamt, der Formulare wegen des Tests ausfüllte, dann wieder ins Gebäude, wieder Temperatur messen etc, weitere Formulare ausfüllen. 500 Meter weiter in ein anderes Gebäude um die Ausreise für mich und Heinrich aus Tansania abzustempeln (kein Temperatur messen usw), wieder zurück, Temperatur messen etc, warten auf den Aufklebermann. Schließlich hatte ich das gültige Visum im Pass und erklärte dem Zollbeamten, wie er das Carnet für Heinrich ausfüllen müsse. Juhuu, auf zum Gate! Blöd, keinen Passierschein erhalten. Wieder zurück ins Gebäude (Temperatur etc), Passierschein holen und nach nur 4,5 Stunden war ich schon in Kenia eingereist. Je unterentwickelter ein Land ist, desto größer ist die Bürokratie. Wenigstens der Typ an der Türe hätte auf die dauernd gleiche Prozedur verzichten können, nachdem er nur zwei weitere Reisende und ein paar Trucker als Kunden hatte. Geld umtauschen konnte ich in der nächsten kleinen Stadt. Auch das dauerte gut eine Stunde. Eine kenianische Sim-Karte für mein Handy bekam ich als Ausländer nicht. Mist. Offline ist man quasi blind in einem fremden Land. Naja, in Afrika ist nichts unmöglich, also erstmal weiter nach Osten, Richtung Pazifik. Der Highway von Nairobi nach Mombasa ist eine Kette aus Lastwagen, die nur wenige freie Glieder hat. Hier braucht man Nerven um hinter den uralten LKWs Steigungen hinauf zu kriechen aber auch zum Überholen mit Lichthupe um den Gegenverkehr zu warnen. Man gewöhnt sich schließlich auch daran. Das avisierte Camp konnte ich trotz Nachfragen bei Tankstelle und Polizei nicht finden und es wurde immer später. Ich entschied mich in einem Straßenkaff direkt am Highway das nächste Guesthouse aufzusuchen, das einigermaßen sicher wirkt. Ich fand Keines. Dann eben eine Absteige für zwei Euro mit Vorhängeschloss an der Blechtüre und vor Dreck starrend. Sobald man den Wasserhahn öffnet oder die Spülung betätigt steht man mit den Füßen im Siff, weil die Verrohrung undicht ist. Nichts wie raus hier und so spät wie möglich Schlafen gehen. Ich fand eine kleine Bar mit zwei Plastiktischen und guter, traditioneller Musik. Hier ließ ich mich nieder und vertiefte mich in ein Buch, bis sich die Kaschemme füllte. Ich bekam jede Menge Gesellschaft von Streethookern, die auf Fernfahrerkundschaft hofften. Als Mzungu (Weißer) war ich natürlich bevorzugtes Opfer, aber nachdem klargestellt war, dass ich alleine schlafen werde, hatte ich jede Menge Spaß mit den Mädels und den Ortsansässigen. Die nötige Bettschwere war endlich erreicht um mein wenig einladendes Zimmer aufzusuchen. Zuvor hatten wir uns noch zum Frühstück verabredet.

Fr. 13.11.2020

Ich hatte schon längst meinen Kaffee geschlürft, als meine Verabredung auftauchte. Sie wollte mir mit ihrem Persoausweis eine Sim-Karte besorgen. Das war natürlich keine Freundschaftsleistung, sondern ein Deal, aber Hauptsache wieder online. Eine der ersten Nachrichten die ich erhielt war der Tod eines sehr geschätzten Musikers und Wegbegleiters. Ich war völlig geschockt und konnte mich nicht aufraffen, einfach zur Tagesordnung überzugehen. Also blieb ich noch einen Tag, allerdings im besten Hotel am Platz, also für vier Euro die Nacht. Hier bekam ich zwar auch nasse Füße, aber es war einigermaßen sauber. Wir fuhren in die nächste Stadt und die Mädels investierten das Liebesgeld der vergangenen Nacht in Tattoos, Haar-Extensions etc während ich mich durch das bunte Treiben ablenkte. Am Abend entführten mich meine neuen „Freunde“ in die hintersten Gassen des Straßendorfes. Das Nest hatte wahrscheinlich noch nie einen Touristen gesehen und ich war mit Sicherheit der erste Mzungu, der die örtliche Palmweinschenke (Kokos-Bier) zu sehen bekam. Hier treffen sich die Einheimischen mit Kind und Kegel und lassen sich das milchig-trübe Getränk, abgefüllt in alte Colaflaschen, servieren. Vor dem Genuss wird die vergorene Kokosmilch durch ein Sieb in eine Tasse gegossen. Das Zeug riecht nach Erbrochenem, hat einen säuerlich-süßen Geschmack und macht wahrscheinlich blind. Die meisten Gäste waren jedenfalls schon kurz nach Sonnenuntergang ziemlich prall. Ich drängte unter dem Vorwand etwas essen zu wollen zum Aufbruch. Auch wenn alle sehr freundlich zu mir waren fühlte ich mich hier nicht wohl. Es lag irgendwie Stress in der Luft und wenn es losgeht wollte ich nicht mehr dort sein. In der kleinen Bar lud mich der Inhaber zum Mitessen ein und nach zwei (normalen) Bieren bekam ich meine Rechnung. Da stand die Zeche des halben Dorfes drauf. Habe ich natürlich nicht bezahlt und es gab auch kein Problem. Eines habe ich schon über Kenia gelernt. Die Leute sind freundlich, aber jeder sieht dich in erster Linie als Goldesel an, den man melken kann. Wenn sich jemand mit dir unterhält, kommt früher oder später die Frage, ob du ihn auf ein Getränk einlädst, ihm Guthaben fürs Telefon kaufst oder was auch immer. Hier ist kein Gespräch ohne den Zweck Deinen Geldbeutel leichter zu machen. 

Sa. 14.11.2020

Kurz nach Sonnenaufgang war ich schon auf dem Highway, den ich nach kurzer Zeit verließ, um über kleine Straßen und Roughroads an die Küste zu gelangen. Das Verkehrschaos von Mombasa wollte ich mir ersparen. Das Land ist ziemlich grün, nicht so verdorrt und beigebraun wie es in Tansania war. Man merkt die Nähe zum Äquator. Es macht viel mehr Spaß, gemütlich über diese Wege zu reisen als auf den großen, stark befahrenen Straßen. Ich kam auch ohne besondere Vorkommnisse an meinem Ziel, der Twiga Campsite in Tiwi an. Ein wunderschöner Palmenstrand südlich von Mombasa. Es geht sehr gemütlich zu. Ab und zu kommt einer der Beachboys vorbei und bietet irgendetwas zum Kauf an, oder man bekommt Besuch von hier lebenden Ausländern. Jeder hat eine interessante Geschichte zu erzählen, man tauscht sich aus, trinkt ein Bier zusammen. Leider erfahre ich auch hier, dass kein Einheimischer ein Gespräch einfach so sucht, sondern jeder Geld von mir haben will. Den Abend verbrachte ich an meinem Feuer mit einigen jungen Indern und ihren Freundinnen, die übers Wochenende aus Mombasa gekommen sind. War fast ein bisschen wie früher am Baggerloch.

So. 15.11.2020

Heute lernte ich Reggee, meinen Nachbarn kennen. Ein ziemlich bekannter, südafrikanischer Musiker, der seit sechs Jahren hier am Strand in seinem Landrover lebt. Wir verstanden uns auf Anhieb und verquatschten den halben Tag. Der Mann hat wirklich was zu erzählen! Das Leben dieses Originals gäbe guten Stoff für einen Film ab. Auch er bestätigte mir meinen Eindruck über die Einheimischen und verstärkte ihn mit diversen Geschichten drastisch. Ich habe keine Lust Cashcow zu sein. Die Diskriminierung Weißer, die hier stattfindet, ist kein Stück besser als die Diskriminierung von Schwarzen bei uns. Ostafrika hat seinen Reiz für mich verloren, weshalb ich mich ab morgen wieder Richtung Süden bewegen werde. Auch wenn es landschaftlich noch so schön ist, ich will hier zügig wieder weg. Die Reduzierung von Menschen auf ihre Hautfarbe, ihre Religion oder ihren vermeintlichen Geldbeutel ist mir einfach zuwider.

Mo. 16.11.2020

In der Nacht setzte starker Regen ein. In einer kurzen Pause riss ich das Lager ab und um 8.00 Uhr war ich on the road. Der Himmel war mit schwarzgrauen Wolken verhangen und es regnete in Strömen den ganzen Tag. Der Grenzübertritt nach Tansania ging diesmal relativ schnell in nur 2,5 Stunden vonstatten. Mein alter Covid-Test ist in Tansania zwei Wochen gültig und wurde akzeptiert. Ich wurde zwar nach der Bankquittung für die Überweisung der 50 Dollar gefragt, weil die Tests mittlerweile häufig gefälscht würden ( hatte ich natürlich nicht mehr), aber ich durfte trotzdem passieren. Wieder in Tansania war der Starkregen ein Segen, weil kaum Polizei zu sehen war. Sie hatte wohl keine Lust nass zu werden. So kam ich gut voran und fuhr bis kurz vor Anbruch der Dunkelheit. In Mkata nahm ich mir ein kleines Schmuddelzimmer in einem Guesthouse, besorgte mir noch etwas zum Essen und ging zeitig Schlafen.

Di. 17.11.2020

Sieben Stunden Fahrt, ca 400 Kilometer bis zum Crocodile Camp am Gret Ruaha River. Einmal musste ich wegen Überfahrens einer durchgezogenen Linie bezahlen. Lunch. Diesmal aber gerechtfertigt und lieber 10.000 TSh für Lunch als 30.000 fürs Government. Im Camp wurde ich herzlich empfangen und bezog meinen alten Platz. Genug Zeit, und vor allem eine saubere Dusche, um sich mal wieder zu restaurieren. Das war mir wichtiger als noch Ein- oder zweihundert Kilometer mehr zu schrubben. Morgen hoffe ich bis kurz vor die Grenze zu gelangen. Bin gespannt, ob ich mit meinem Covid-Test nochmal durchkomme, sonst muss ich mir was überlegen.

Mi. 18.11.2020

Ohne Probleme kurz vor der Grenze zu Zambia angekommen. Leider schon zu spät um es noch zu versuchen. Hoffe, morgen klappt es.

 

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